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Wann sind wir so unfreundlich geworden?

17/11/2017

Es gibt wohl kein Thema, über das ich mich in der letzten Zeit öfter aufgeregt habe, als dieses. Ein Thema, das mir jeden Tag begegnet und sich in meinem Leben irgendwie verfestigt und das ich absolut nicht verstehe. Wann ist eigentlich jeder so unfreundlich geworden? Erst dachte ich, es läge vielleicht an Berlin und dem rauen Umgang in der Stadt. Dann bin ich nach Israel gereist und habe gemerkt, dass es dort genauso ist! Nach einigen Gesprächen mit Freunden wurde klar, dass es nicht nur mir aufgefallen ist. Wann sind Höflichkeit und Freundlichkeit out geworden?

Ich laufe mit einer Freundin durch den Park, der Weg ist breit, wir laufen zu zweit in der Mitte. Links und rechts von uns genügend Platz. Ein Jogger kommt uns entgegen, brüllt auf einmal wutentbrannt los und schlägt mir mit seiner flachen Hand auf die Schulter. „Ihr lauft auf der falschen Seite!“. In diesem Moment ist die Zeit für mich kurz still gestanden. Ich war absolut baff. Ein Mann Mitte 50, der gut und gerne mein Vater hätte sein können, hätte mit viel Platz locker an uns vorbei joggen können, hat sich aber dazu entschlossen, eine fremde Frau zu schlagen(!), um ihr zu sagen, dass sie doch bitte etwas mehr rechts und weniger mittig laufen soll. Really?!

Zwei Tage später stehe ich an der Bahnstation. Die einfahrende Bahn ist leer, für jeden ist genug Platz. Die Frau, die mit mir einsteigt, entschließt sich aber dazu, mich lieber noch kurz nach hinten zu schubsen, um auch garantiert einen der über zehn freien Plätze für sich zu sichern. Ich bleibe kurz stehen, überlege etwas zu sagen – verstumme aber.

Ich könnte bestimmt fünf weitere solcher Geschichten erzählen. Geschichten, die mich anfangs sprachlos zurück ließen, obwohl ich in dem Moment, als sie passierten, vor Wut oder purer Fassungslosigkeit hätte schreien können. Und das nur in den letzten Monaten.
Wann ist das passiert? Und vor allem: Wieso?! Auch ich kenne das Gefühl, einen schlimmen Tag gehabt zu haben und am liebsten jeden in der Umgebung anschreien zu wollen und all meinen Frust rauszulassen. Der kleine Unterschied: Ich tue es nicht. Der einfache Grund dafür ist, dass vor allem fremde Menschen selten etwas für diesen Frust können und ich ihn deshalb auch nicht an ihnen auslassen darf. Generell habe ich sehr früh gelernt, wie schlimm und falsch es ist, seine Emotionen an anderen Menschen abzulassen. Das geht wohl nicht jedem so – oder was habe ich verpasst?
Die Unfreundlichkeit, die mir fast täglich begegnet, ist wirklich ein Phänomen, das ich einfach nicht begreifen kann und das für mich in den letzten Monaten deutlich zugenommen hat im Vergleich zu den Jahren zuvor. Woher kommt dieser Negativtrend, und wann hört er endlich auf?!

Geht es euch denn auch so oder bin ich (hoffentlich!) mit dieser Problematik alleine?

xoxo
Eva

Shirt: H&M
Hose: H&M
Uhr: Michael Kors*

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  1. Oh wow, das schockiert mich jetzt ein wenig… Ich hätte nicht erwartet, dass so viele fremde Menschen so unfreundlich und auch unverschämt sind! Das tut mir wirklich leid. Ich lebe in einer Kleinstadt, da ist mir das noch nicht aufgefallen… Vielleicht ist es in einer Stadt wie Berlin dennoch ein wenig anders. Wer weiß ‍♀ Aber auf jeden Fall ein toller Beitrag, liebe Eva!

    Hab noch einen tollen Tag,
    Alina ♥

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    1. Ja, mich hat es anfangs auch geschockt – irgendwann härtet man da aber ab. Schön, dass es dir immerhin nicht so geht! In einer Kleinstadt ist das meistens wirklich noch etwas anders… Danke für dein liebes Kommentar!

  2. Hallo. Ich kann mich dem nur anschließen.Ich bin im 9.ten Monat schwanger und werde von Leuten,die offensichtlich auf meinen Bauch starren,in der Bahn noch beiseite geschubst,dass sie den letzten freien Sitzplatz bekommen. Häufig muss man in einer knallgelben Bahn auch noch nachfragen,ob jemand bitte durchrücken könnte,dass man sich auch mich hinsetzen kann(was auch für Nichtschwangere oder kranke Leute einfach ärgerlich ist ,meine Umgangsform würde mmir von allein schon gebieten,mich immer so zu verhalten,dass möglichst viele Leute Platz haben).Vor kurzem stand ich an einer Ampel (mit Kopfhörern),ein Mann bedeutete mir,kurz zuzuhören,nur um mich anzumeckern,dass man hier ja lange stehen könne,wenn ich nicht auf den Ampelknopf drücken würde,anstatt es eben einfach selber zu machen. Die Härte war eine Oma! im Bus,die mir nachgelaufen ist,um mir auf den Fuß zu treten,da ich das scheinbar im Gedränge im Bus bei ihr auch getan hätte(hab ich nicht bemerkt,aber hätte sie mich drauf hingewiesen,hätte ich mich entschuldigt). Der Umgang untereinander ist katastrophal geworden. Mittlerweile (liegt wohl an den Hormonen) hab ich mich da auch schlecht im Griff und fang in solchen Situationen an zu schimpfen wie ein Bauarbeiter,um mich abzureagieren,was sicher nicht der beste Weg ist,aber irgendwie hilft ,mit dieser Wut und Hilflosigkeit umzugehen,denn häufig sind die Menschen ja nur so unhöflich (siehe der Jogger deiner Geschichte),dass nur sie ihren Frust ablassen können und dann aber gleich weg sind,weil sie die Antwort gar nicht ertragen können und eigentlich auch nicht interessiert an irgendeiner Art von friedlichem Gespräch sind.
    Ich versuche im Alltag,umsichtig zu sein und lasse beim Einkaufen fast immer Leute vor mir an die Kasse,die nur zwei Sachen in der Hand haben,wenn ich einen ganzen Einkaufswagen zu bezahlen habe,weil ich weiß,wie ärgerlich es ist,dann wegen einer Kleinigkeit ewig im Supermarkt anzustehen.Dafür wird man häufig erst ungläubig angestarrt und dann bedanken sich die Menschen tausend Mal,es scheinen wohl nur noch wenige damit zu rechnen,dass man auch höflich miteinander umgehen kann,was irgendwie schade ist.Dies scheint aber auch gerade in Großstädten ein Problem zu sein scheint.Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Ort und erinnere mich,dass ich zum Studium in die Großstadt kam und meine Mutter abends anrief,dass ich dort wieder weg wolle,weil alle sich hier nur anschreien würden;-) Aber ich bin beruhigt,dass es nicht nur mir auffällt,denn wenn ich darüber mit anderen (zumeist den Einheimischen,haha) spreche heißt es meistens,ich sei zu empfindlich und wenn ich mich z.B. in einer Menschenschlange hinten anstelle,werde ich ebenfalls ausgelacht,weil dann gesagt wird,ich brauche mich nicht wundern,wenn ich so nie ans Ziel komme. Insofern spricht mir dein Artikel aus der Seele.Lg

    1. Ach du meine Güte! Dein Kommentar hat mir die Kinnlade runterklappen lassen. Ich dachte, wenigstens zu einer schwangeren Frau wären die Menschen vielleicht anders?! Das ist ja der absolute Wahnsinn und tut mir extrem Leid. Was du beobachtet hast, ist mir aber auch aufgefallen: für dich und mich kleine Gesten wie jemanden an der Kasse nach vorne zu lassen oder z.B. aufzustehen, wenn eine ältere Dame in die Bahn kommen, wird immer ganz ungläubig und dankbar honoriert, als hätte man gerade sonst etwas für denjenigen getan. Ich glaube, vielen Menschen geht heutzutage die Umsicht und die Freundlichkeit verloren. Ich versuche auch immer, so etwas erst Recht zu machen weil ich weiß, dass es zu mir zurück kommt. Kinderwagen die Treppe runtertragen, in der Bahn aufstehen, die Tür aufhalten… es ist doch eigentlich so simpel.
      Danke für dein Kommentar – es ist schade, aber auch schön zu sehen, dass es anderen auch so geht. Ich wünsche dir außerdem nur das Beste für deine Schwangerschaft und dass die Menschen sowohl jetzt als auch später mit Kinderwagen etc. ein bisschen aufmerksamer zu dir sind!

  3. Hallo Eva,
    ich erlebe leider das Gleiche. Das „Miteinander“ wird oftmals eher zum „Gegeneinander“. Wobei dann leider auch der Spruch „So wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“ stimmt.
    Erst heute habe ich es wieder erlebt: Ich bekam im Büro einen Anruf einer Krankenkasse. Der Mitarbeiter der Krankenkasse hatte eine Frage zu einer Entgeltmeldung und wurde sofort patzig. Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass man Unfreundlichkeit am besten mit Freundlichkeit begegnen sollte, ärgere ich mich sehr über so ein Verhalten und muss eine entsprechende Anwort erst mal hinunter schlucken.
    Natürlich kann jeder mal einen schlechten Tag haben, aber eigentlich wäre es doch besser, schlechter Laune mit einem netten und freundlichen Telefonat entgegen zu wirken. Aber nein, die Realität sieht anders aus. Und leider gibt es jeden Tag einige dieser Beispiele. Früher habe ich das nicht so deutlich wahrgenommen. Heute lassen mich solche Ereignisse oft fassungslos, ratlos und oft auch wütend zurück. Gerne würde ich demjenigen gehörig meine Meinung mitteilen, aber ich habe auch keine Lust, selbst so ein unfreundlicher Mensch zu werden. Und ich habe es einfach nicht so gelernt. Es widerstrebt mir, mit Unfreundlichkeit zu reagieren (obwohl mir die passenden Worte oftmals schon auf der Zunge liegen).

    Es gibt aber auch viele Menschen, die sehr freundlich sind. Menschen die einen an der Kasse anlächeln und vorlassen. Apropos Kasse: Vor einigen Wochen fehlten einem jungen Mann ein paar Cent um seinen Einkauf vollständig zu bezahlen. Er begann zu überlegen, was er im Supermarkt zurück lassen sollte, da gab ich dem Kassierer die 8 Cent. Der Kassierer sagte danke, der Kunde kein einziges Wort. Er packte seine Sachen ein und ging. Wortlos. Und ich kam mir so richtig blöd vor und blieb sprachlos zurück.

    Aber es gibt sie trotzdem, die kleinen, schönen Situationen. Ein Vorlassen an der Kasse, ein Vorlassen beim Autofahren, ein unerwartetes freundliches Nicken, Lächeln oder Grüßen. Vor kurzem habe ich jemanden wieder gesehen, den ich zuvor mehrere Jahre nicht gesehen habe. Und obwohl wir nie viel miteinander zu tun hatten, war die Begrüßung so lieb und herzlich, dass ich mich unglaublich darüber gefreut habe.

    Vielleicht werden die Menschen unfreundlicher und unzufriedener, weil immer mehr von ihnen erwartet wird, weil sie immer erreichbar sind / sein wollen, weil sie sehen, dass es immer mehr Menschen nur um das eigene Wohl und den eigenen Willen geht und weil sie erleben, dass unfreundliche Menschen ihre Ziele oft aufgrund ihrer Dreistigkeit erreichen, nicht weil sie im Recht sind.

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