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Personal

Macht uns ständige Selbstoptimierung kaputt?

30/01/2018

„Wie man Karriere, Liebe und Sport stressfrei unter einen Hut bringt“
„Der 20 Minuten Guide für den perfekten Po“
„Besser aussehen mit der XYZ-Diät“

– besonders zum Jahresbeginn gibt es in jeder Zeitschrift und auf jeder Website Artikel dieser Art – Artikel, mit denen wir uns selbst optimieren sollen und mit denen wir schönere, schlankere und stärkere Frauen werden sollen, die scheinbar mühelos alle Aufgaben schaffen und dabei ständig neue Skills lernen. Selbstoptimierung ist seit Jahren ein Trend, den Marken und Medien nutzen und uns einreden, dass das, was wir sind, nicht gut genug ist und dringend Verbesserung bedarf. In jedem von uns muss scheinbar jemand Besseres stecken, den wir unbedingt nach draußen tragen müssen.

Kein Wunder also, dass schlanke Frauen sich dick fühlen oder der eine oder andere glaubt, faul zu sein, nur weil er nicht jeden Abend nach dem Job ins Fitnessstudio rennt. Nur Fitness ist viel zu langweilig, stattdessen muss es zusätzlich noch Joggen und ein Kickbox-Kurs sein; zwei Reisen im Jahr sind nicht genug und wenn, dürfen sie schon gar nicht nur an die Ostsee gehen, sondern am besten in den Irak oder die Arktis. Immer besser, immer extremer und Hauptsache nicht immer das Gleiche. Aber wieso eigentlich?

Ich liebe es, abends mal nach Hause zu kommen und nichts zu tun. Nur bei meinem Lieblingsitaliener zu bestellen und bei keinem anderen – und das Fitnessstudio auch mal sausen zu lassen, wenn ich keine Lust darauf habe. Immer wieder nach London zu reisen, weil es so nah ist und einfach eine meiner liebsten Städte. Unsere Gesellschaft und vor allem die Medien schreiben uns aber vor, sich stets verbessern zu müssen, versteckte Interessen und Talente zu entdecken, anders zu sein und alles zu tun, um bloß nicht stehen zu bleiben.
Auch in Sachen Blog merke ich diese Veränderung: Während es früher absolut okay war, Outfits vor dem eigenen Spiegel zu knipsen, sich Sachen von der Seele zu schreiben  und irgendwie eben ein normaler Mensch zu sein, muss heute jedes Foto quasi die Welt neu erfinden, jeder Artikel ein wahrer Erguss sein. Obwohl mir das auch Spaß macht und ich hier gerne kreativ bin, war es früher doch irgendwie einfacher, irgendwie normaler.

Mein Appell an mich selbst ist also: Nicht mehr so viel zweifeln und vor allem nicht so viel zu vergleichen. Es ist okay, wenn meine Freunde jeden Tag zum Sport gehen, in die entlegensten Länder reisen und sich ab sofort nach der Regenbogen-Diät ernähren. Das heißt nicht, dass mein Leben in irgendeiner Form langweilig oder eintönig ist. Mir gefällt mein Leben, ich möchte mich nicht ständig verändern – natürlich probiere ich gern etwas Neues aus, nur eben nicht, um darin direkt die Beste zu sein oder neue Extreme zu erreichen.
Ich muss nicht ständig an meine Grenzen gehen und entscheide selbst, was ich wann mache und was eben nicht. Vielleicht will ich ja trotzdem bald eine neue Karrierestufe erklimmen oder einen Knackpo haben – das alles geschieht aber zu seiner Zeit und vor allem nicht mit Druck von außen.

Wie seht ihr das – verbessert und verändert ihr euch gerne oder darf man auch mal stehenbleiben?

xoxo
Eva

  1. Hallo liebe Eva , ein ganz toller Post , der mir voll aus der Seele spricht . Ich sehe das ganz genauso und freue mich immer wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag es mir mit Kerze und Buch / Fernseher gemütlich mache .. trotzdem nagt dann immer so ein bisschen : na ja du müsstest mal wieder Sport machen , Fenster putzen , etc. Schön zu lesen das du das genauso siehst .. wie immer ganz toll geschrieben, vielen Dank dafür !

    1. Oh Bettina, wie lieb! Ich habe auch auf Instagram viel Feedback bekommen von Mädels, denen es so geht wie uns. Sei nicht so streng mit dir – manchmal muss man sich etwas zwingen, manchmal darf man aber auch einfach entspannen und langsam machen. 🙂

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