Personal

Mein Leben mit Endometriose

von am 28/07/2017

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Ich war mit meinem damaligen Freund auf einem Flohmarkt, wir sind durch die Gassen geschlendert und haben uns die Stände angeschaut. Plötzlich traf mich ein Schmerz mitten in mein Unterleib, der mich zu Boden sacken ließ, einen Aufschrei konnte ich mir nur knapp verkneifen. Der Schmerz wiederholte sich mehrmals schubweise, abends konnte ich nur unter Tränen einschlafen.

Bei dieser einen Attacke sollte es auch nicht bleiben. Von diesem Tag an kam der Schmerz fast täglich, er nahm mein Leben komplett ein. Ich wusste nie, wann es wieder so weit sein würde, aber war mir immer sicher, dass es jeden Moment passieren könnte.

Ihr denkt euch jetzt vielleicht: komm schon, jede Frau kennt die Schmerzen, die einmal im Monat kommen und mit denen man sich am liebsten mit Wärmflasche, Tee und Schokolade aufs Sofa verkriechen möchte. Doch das war so viel schlimmer und unabhängig von meiner Periode. Ein stechender Schmerz, der mein Unterleib von vorne bis hinten durchstieß, in kurz aufeinanderfolgenden Abständen kam und ging und mir die Luft zum Atmen nahm.

Obwohl ich es besser wusste, musste ich diese Symptome natürlich sofort googlen. In der Ergebnisliste habe ich neben den Google-üblichen Diagnosen wie Schwangerschaft und Krebs eine gefunden, die nicht ganz so aus der Luft gegriffen klang und meine Symptome ziemlich gut beschrieb: Endometriose.

Aber was ist Endometriose überhaupt?

Endometriose bedeutet, dass sich meine Gebärmutterschleimhaut nicht nur dort bildet, wo sie es soll, sondern auch außerhalb der Gebärmutter, undzwar im kompletten Unterleib. Im Laufe eines Monatszyklus wächst dieses Gewebe und schwillt an, was ja schon bei einer normalen Periode schmerzhaft sein kann, durch die Endometriose aber verstärkt wird. Auch das Gewebe außerhalb der Gebärmutter schwillt nämlich an und verklebt die Organe im Unterleib, was zu starken Krämpfen und stechenden Schmerzen führt – auch außerhalb der Periode.

Mit diesem Verdacht bin ich ein paar Tage später zum Frauenarzt. Ihre erste Vermutung war ebenfalls Endometriose – und darüber bin ich unglaublich dankbar. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Ärzte diese Schmerzen für normale Periodenbegleiter halten, vor allem, da man sie nur schwer durch Untersuchung und Ultraschall erkennt. Nur ganz schwache Unebenheiten in der Gebärmutter, die sich laut meiner Ärztin wie Reiskörner oder Stecknadeln anfühlen, sind ein erstes Anzeichen. Die einzige Möglichkeit, für mich sicher zu wissen, ob ich an Endometriose leide, war eine Operation, der ich mich ein paar Monate später auch unterzogen habe.

Angst hatte ich vor dieser OP eigentlich gar nicht – ich wollte einfach nur Gewissheit. Die Schmerzen, die ich durch die Endometriose hatte, wurden von Mal zu Mal stärker und haben mich mehrere Monate begleitet. Auch zuvor hatte ich schon mal mehr, mal weniger starke Probleme mit meinem Unterleib, aber diese Art von stechendem Schmerz hatte ich nicht gekannt.

Seit der Operation geht es mir unglaublich gut. Ich habe keinerlei Symptome mehr – und das seit mittlerweile knapp zwei Jahren. Ich nehme seit der OP eine bestimmte Pille, die den Aufbau von Schleimhaut blockiert und so auch die Wucherungen verhindert. Das eigentlich fatale an Endometriose ist nämlich, dass sie nie ganz verschwindet und die Erkrankung unbehandelt immer wieder kommt. Viele Frauen haben über ihr Leben hinweg mehrere Operationen, wirklich chronische Schmerzen und müssen auch unter anderen Nebenwirkungen wie Unfruchtbarkeit, Erschöpfung und Krämpfen leiden.

Wieso ich euch das Ganze erzähle?

Weil ich von meinen Ärzten, Freunden und Verwandten unglaublich gut mit dieser Diagnose aufgenommen wurde und ich glaube, dass es nicht jedem so geht. Viele verspüren extreme Schmerzen während und außerhalb ihrer Periode und glauben, sie müssten da eben einfach durch, das wäre ganz normal. Natürlich hat auch nicht jeder mit starken Schmerzen während seiner Regel automatisch Endometriose. Aber wenn ihr euch ein bisschen in diesem Post wieder erkennt, lohnt es sich vielleicht, zu eurem Frauenarzt zu gehen und das Thema anzusprechen.
Statistisch gesehen dauert es vom ersten Auftreten der Schmerzen bis zur Diagnose aktuell sechs Jahre, manchmal bis zu zehn. Niemand sollte so lange unter diesen Schmerzen leiden müssen oder den vielfältigen anderen Symptomen, die Endometriose mit sich bringt. Ich bin so dankbar dafür, dass meine Ärztin ihre Diagnose so schnell gestellt hat und ich seitdem quasi schmerzfrei lebe.

Ich bin außerdem wirklich froh, dass das Thema Endometriose endlich auch öffentlich Aufmerksamkeit bekommt. Viele prominente Frauen erzählen ihre Leidensgeschichte, so gelangt das Thema in die Medien und erreicht hoffentlich auch die, die davon betroffen sind und denen geholfen werden muss. Neben all den „Oh my god, wie hat Promi XY nur 20kg in 3 Wochen abgenommen?!“-Artikeln ist das doch wenigstens einer, der sinnvoll ist.

Solltet ihr Fragen haben, meldet euch gerne bei mir – wenn es euch lieber ist, auch per Mail unter eva@hearttobreathe.com.

xoxo
Eva

Alle Fotos: Frau Herz

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Personal

Extrovertiert & introvertiert zugleich – ein Leben als Paradoxon

von am 12/07/2017

„I’m almost never serious, and I’m always too serious. Too deep, too shallow. Too sensitive, too cold hearted. I’m like a collection of paradoxes.“ – Ferdinand de Saussure

Eine Instagram Caption von Nadia Meli brachte mich letztendlich dazu, diesen Blogpost zu schreiben. Nadia sprach davon, ein „Extroverted Introvert“ zu sein – ein Begriff, der mir die Augen geöffnet hat. Nicht zuletzt, weil er bei mir einfach perfekt passt und mir gezeigt hat, dass ich mit diesem Gefühl oder diesem Charakterzug scheinbar nicht so alleine bin, wie es mir manchmal doch vorkomme.

Meistens definiert man sich ja entweder als extrovertiert oder introvertiert – entweder man liebt die Aufmerksamkeit und das Beisein anderer oder man genießt lieber die Ruhe des Alleinseins. Ich sehe mich selbst als eine Mischung aus beidem: Ich kann gut mit Menschen reden, egal ob Freund oder fremd, habe mit Smalltalk absolut kein Problem und komme mit jedem klar – bis zu einem bestimmten Punkt. Irgendwann ist all meine Energie erschöpft, ich werde immer stiller und nur die kleinste unangenehme Situation bringt mich dazu, eine Art Wand um mich zu bauen.

Meine introvertierte Extraversion (auf Englisch klingt alles so viel besser…) beginnt bei ganz alltäglichen Situationen.
Ich arbeite hauptberuflich als PR Managerin. Stehe morgens auf, gehe ins Office und rede dort gefühlt von 9 – 18 Uhr durch. Die Tatsache, dass wir 5 Mädels sind und es in der PR quasi unser Job ist, kommunikativ zu sein, ist für mich absolut okay.

Wenn ich abends dann aber nach Hause komme, genieße ich die Ruhe. Viele meiner Freunde sind fast jeden Abend unterwegs und auch durch Instagram & Co. könnte man meinen, dass man sein Dinner nur noch in großer Runde und ausschließlich in Restaurants zu sich nehmen darf. Daran ist natürlich auch nichts verwerflich. Auch ich genieße es, mit Freunden Zeit zu verbringen und die kulinarische Vielfalt Berlins zu erkunden. Meistens bevorzuge ich es aber doch, an Wochentagen abends zuhause zu sein und meine Batterien aufzuladen.

Seit ein paar Wochen beschäftige ich mich nun mit diesem Thema und einer Art Selbstfindung. Ich entdecke immer mehr Artikel darüber, dass es anderen Menschen genauso geht – nicht zuletzt dieser Bericht bei Edition F hat zu großen Diskussionen geführt. Es ist gut zu wissen, mit diesem Gefühl nicht alleine zu sein – vor allem, da es viele Menschen sicher komisch finden und nicht verstehen, warum ich oder wir nicht öfter aus dem Haus gehen. Früher habe ich mich durch solche Aussagen oft beeinflussen lassen oder habe mich aus FOMO selbst gezwungen, doch noch mitzugehen und mich dann am nächsten Tag miserabel gefühlt.
Ich brauche die Zeit mit mir alleine einfach, um meine Batterien aufzuladen. Mittlerweile weiß ich, dass meine Meinung und meine Selbsteinschätzung da wichtiger sind als die anderer.

Es ist auch nicht so, dass ich eine Art Grundeinstellung habe und immer gleich ticke – ich bin nur ein Mensch. Manchmal gibt es Wochen, an denen ich von Montag bis Freitag abends allein sein möchte und dann auch am Wochenende merke – hey, eigentlich habe ich gar keine Lust, groß rauszugehen. Dann gibt es wieder Phasen, in denen ich jeden Tag unterwegs bin und auch am Wochenende von Café zu Dinner zu Party hoppe.

Ein weiterer Punkt auf der Checkliste wäre wohl, dass ich mich oft dabei erwische, am Wochenstart Pläne fürs Wochenende zu machen und je näher der Tag dann kommt, desto mehr schwindet meine Freude – egal, wie toll das Event ist. Ich weiß auch genau, dass ich dort Spaß haben werde, aber trotzdem siegt die Introversion manchmal. Meistens nicht, da ich meine Freunde natürlich auch nicht enttäuschen möchte.

Gerne allein zu sein bedeutet aber auch nicht, dass ich mich nicht manchmal einsam fühle – gerade in einer Großstadt wie Berlin kommt man sich schnell verloren vor. Dennoch ist die Zeit, die ich alleine verbringe das, was mir am Ende die meiste Energie bringt und mich am Laufen hält.

Ich möchte mir mit diesem Artikel nicht die perfekte Ausrede schaffen, zukünftig jedes Event abzusagen, ohne dass meine Freunde, Familie oder auch Kunden sauer sind. Ich möchte damit erst Recht nicht bezwecken, überhaupt nicht mehr eingeladen zu werden. Viel mehr möchte ich diese Seite von mir zeigen, weil ich weiß, dass es anderen genauso geht. Weil es völlig okay ist, nicht rund um die Uhr eine „People Person“ sein zu können. Und vor allem möchte ich Verständnis dafür schaffen, dass Introversion weder etwas mit „Social Anxiety“ noch Lustlosigkeit zu tun hat. Seine Energie im Alleinsein zu finden und bewusst Zeit für sich selbst einzuplanen ist für mich ein großes Gut.

Wie sieht es bei euch aus?
Seid ihr extrovertiert, introvertiert oder eine Mischung aus beidem?

xoxo
Eva

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