Personal

Scheinwelt Instagram

von am 13/09/2017

Das perfekt inszenierte Frühstück im Bett, der Kaffee balanciert nahezu mühelos auf den weißen Laken. Frisch aus dem Bett aufgestanden sitzen Haare und Make Up auf dem täglichen Selfie – halt nein, natürlich heißt es #nomakeup. Am fein säuberlich dekorierten Schreibtisch dann mit dem MacBook ein paar Mails checken, darauf folgen Yoga, ein leichter Lunch, 2-3 Events und am Abend ein Dinner mit den 10 engsten Freunden. Aber keine Pizza, sondern #lowcarb – oder eben doch Pizza, weil #sowhat.

Mittlerweile sollte uns allen bewusst sein, dass diese scheinbar perfekten Bilder alle inszeniert sind und nur einen Teil der ganzen Wahrheit zeigen. Jeder weiß, dass hinter solchen Fotos viel Arbeit steckt, der Alltag des Bloggers oder Influencers meist ganz anders aussieht und Instagram nur einen Bruchteil dessen zeigt, was wirklich im Leben passiert. Derart schöne Motive benötigen Arbeit, Willen, Können.

Was den meisten an der Scheinwelt Instagram aber nicht auffällt ist das, was im Hintergrund betrieben wird. Wie viel Arbeit nicht nur hinter den Bildern selbst, sondern vor allem auch hinter einer Millionenzahl von Followern stecken kann – und diesmal meine ich das nicht positiv.

Ich bin von Natur aus nicht der Typ, der anderen etwas missgönnt – nichts macht mich glücklicher, als zu sehen, wenn Menschen erfolgreich sind mit dem, was sie lieben. So habe ich auch begeistert einen Artikel gelesen über eine millionenschwere, internationale Influencerin – millionenschwer sowohl auf dem Konto als auch an ihrer Followerzahl. Sie wurde beschrieben als starke Businessfrau, die genau weiß, was sie will. Die Kooperationen ablehnt, weil sie ihr nicht zusagen, immer erfolgreicher wird und auf ihren Instinkt hört. Ihr Style dabei lässig, unbeschwert, sympathisch. Wow, dachte ich. Respekt für diese Leistung.

Fasziniert von ihrer Vita habe ich dann weiter recherchiert, wollte mehr über sie herausfinden – und das tat ich auch. Herausgefunden habe ich vor allem, wie sie zu ihrer Followerzahl kam.

In der heutigen Welt, in der jeder zweite Post auf Instagram gesponsert ist und mittlerweile alles als Werbung deklariert werden muss, ist es für Follower und Leser gut, auch etwas Einsicht in die Hintergründe zu haben, so beispielsweise auf Socialblade. Dort sieht jeder, wie die Followerzahlen eines Accounts steigen und sinken, wie viele neue Follower pro Tag dazu kommen und wie viele das Weite suchen. Etwas, das in diesem Fall aber viel spannender ist: Man sieht ebenfalls, wie vielen Accounts der User selbst folgt und entfolgt.

Bei dieser Influencerin waren es vor ein paar Monaten noch eine halbe Million Menschen, denen sie gefolgt ist. Heute sind es knapp 60.000 – 440.000 weniger. Und da ist auch schon einer der Gründe, wie sie innerhalb von kurzer Zeit selbst zu ihrer Fülle von Followern kam. Dieses Folgen und Entfolgen macht Leser neugierig. Jemand, der den Account noch nicht kennt und vielleicht selbst nicht viele Abonnenten hat, wird erst einmal stutzig, klickt auf ihr Profil und folgt bei Gefallen zurück. Andere kennen die Influencerin bereits und fühlen sich so geehrt über den Follow, sodass sie zurück folgen und liken.

An sich ist da ja auch nichts dabei, hier wird nichts Unrechtliches getan – außer eben reine Followerverarsche. So zu tun, als würde man einem Account folgen, nur damit dieser einem zurückfolgt. Sobald das geklappt hat, kann dann wieder entfolgt werden. Die Followerzahl steigt und steigt und nach außen fällt keinem auf, was da eigentlich passiert und woher all die neuen Abonnenten kommen – immerhin werden keine Follower gekauft oder Bots verwendet. Bravo.

Natürlich kann ich den Wunsch nach mehr Followern verstehen. Auch ich habe mich gefreut, als ich letzte Woche die 5.000er Marke auf Instagram geknackt habe – eine so kleine Zahl im Vergleich zu anderen. Ich habe aber einfach keine Lust auf diese Spielchen, dieses Folgen und Entfolgen, das ich selbst auch täglich bei meinem Account merke. Lade ich morgens ein Bild hoch, habe ich manchmal innerhalb von Minuten 50 neue Follower – im Laufe des Tages verschwindet dann aber über die Hälfte davon wieder. Da mache ich nicht mit.

Ich werde weiterhin folgen, wem ich möchte, werde nach Content und Sympathie entscheiden. Dabei ist mir egal, ob derjenige 100 oder 100.000 Follower hat oder ob er mir ebenfalls folgt. Klar, Instagram ist mittlerweile ein Business, viele verdienen damit Geld, ich eingeschlossen. Trotzdem sollte man auch hier immer ein Stückchen man selbst bleiben und sich überlegen, welche Methoden man vertreten kann und welche nicht.

Der oben genannten Bloggerin bin ich übrigens entfolgt. Obwohl ich ihren Content sehr gerne mag und sie sicher nicht die Einzige ist, die diese Methode betreibt. Dennoch ist sie die Erste, bei der mir das aktiv aufgefallen ist – und darauf habe ich keine Lust mehr.

Ist euch dieses Phänomen auch schon einmal aufgefallen?
Wie seht ihr die Sache?

xoxo
Eva

 

Bluse: Zara
Rock: Mango
Schuhe: H&M
Schmuck: Inhale | Vintage | Stilnest

Fotos: Odett Telke

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